ALLE ZUHAUSE! Viel Zeit füreinander, aber auch Streit, Stress und Ärger?

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Kindertagesstätten und Schulen sind zu. Und plötzlich sind Familien auf sich gestellt. Keine Oma, die die Kinder betreut, keine Erzieherin, die sich um die Kinder kümmert. Und dann arbeiten viele Eltern auch noch von Zuhause aus.

Für Kinder ist alles, was so plötzlich anders ist, erstmal verwirrend oder sogar ängstigend. Die meisten Kinder beruhigen Rituale und die immer wiederkehrenden Abläufe im Alltag. Aber auch für die Erwachsenen ist die Situation ungewiss und ängstigend: die Sorgen, selbst zu erkranken, vielleicht den Arbeitsplatz zu verlieren, oder die Miete nicht mehr zahlen zu können.

Den ganzen Tag miteinander zu verbringen, das ist für jede Familie eine Herausforderung und da muss man nicht alleinerziehend sein, beengt wohnen oder sich gerade für eine Trennung entschieden haben.

Gleichzeitig haben Familien in Krisen oft eine eigene Kraft. Denn fast jede Familie hat schon Erfahrungen mit Krisen – von Anfang an. Das Leben mit Kindern läuft selten wie geplant: da muss das Baby mit 5 Wochen ins Krankenhaus, weil es eine Lungenentzündung hat, da wechselt der Sohn die Schule, weil es massive Konflikten in der Klasse gibt usw.

Darum sind viele Eltern gute Krisenmanager. Und darum ist es so wichtig sich in dieser Zeit auf diese Kraft und auf seine Phantasie zu besinnen.

  • Stellen Sie bewusst das Positive in den Vordergrund.
  • Überlegen Sie als Eltern was Sie an ihrem Kind mögen und was es gut kann.
  • Was machen Sie als Eltern richtig gut?
  • Was klappt gut im Miteinander?
  • Loben sie ihre Kinder und sich dafür. Und zwar von ganzem Herzen.

Dann erst überlegen Sie sich als Eltern, was Sie aktuell im Zusammenleben nervt. Und stellen Sie sich die Frage, ob es wirklich etwas mit Ihrem Kind oder viel mehr mit Ihrem eigenen Stress zu tun hat.

  • Sprechen Sie mit Ihrem Partner oder einer Freundin darüber, was sie stresst. Vielleicht haben Sie gemeinsam gute Ideen.
  • Vielleicht brauchen Sie für diese neue Situation einfach andere Regeln. In der Badewanne darf jetzt zwei Stunden Playmobil gespielt werden. Die Matratze wird auf den Boden zum Toben gelegt…
  • Besprechen Sie Ihre Vorstellungen mit den Kindern – Oft haben Kinder selbst die besten Einfälle.

Stressbewältigungsstrategien

Perfektionismus ablegen, Gelassenheit gewinnen und vorleben

Gelassenheit gewinnen
Gerade in der derzeitigen Lage, in der Familien häufig zwischen (Home-)Office und Home-Schooling hin und her jonglieren, ist das Wichtigste, sich bewusst zu machen, dass nicht alles perfekt laufen muss. Geben Sie sich den Raum und die Zeit, sich in der neuen Situation zurecht zu finden. Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Eltern, die einen Abend den Staubsauger stehen lassen, dafür ihren Kindern Zeit schenken, tun etwas für ihre eigene Seele und die ihrer Kinder.

Nachsichtig mit uns selbst und unseren Kindern sein
Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Art, wie wir mit uns selbst umgehen, auch unseren Umgang mit unseren Kindern prägt. Sind wir streng mit uns selbst, sind wir auch streng mit unseren Kindern. Sind wir nachsichtig im Umgang mit uns selbst, sind wir dies auch mit unseren Kindern.

Gelassenheit vorleben
Vorgelebte Gelassenheit färbt auch auf die eigenen Kinder ab. Wenn sie sehen, dass sich ihre Eltern auch Pausen gönnen und keine überhöhten Ansprüche an sich selbst haben, dann lernen auch sie einen gesunden Umgang mit sich selbst.

Bedingungslose Wertschätzung
Im unten verlinkten Artikel „Stressbewältigung im Familienalltag“ heißt es hierzu: „Kindern, die sich angenommen fühlen – ohne, dass sie dafür eine Leistung erbringen müssen, einfach weil sie so sind, wie sie sind – wird viel Druck genommen.“ Kinder und Jugendliche werden häufig schon genug durch schulische und gesellschaftliche Anforderungen unter Druck gesetzt. Zu Hause sollte ein Ort sein, an dem sie  nicht permanent Erwartungen erfüllen und „mithalten“ müssen.

Authentische Familienregeln/ Grenzen setzen
In einer Gruppe, so auch in einer Familie, treffen unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Bedürfnissen aufeinander. Wesentlich ist es hier, dass sich alle zusammensetzen und gemeinsam überlegen welche Werte für die Familie von Bedeutung sind. Ist den Familienmitgliedern Rücksichtnahme sehr wichtig, ergibt sich daraus zum Beispiel die Regel Musik nur mit Kopfhörern zu hören. Wenige und wichtige Familienregeln, die für alle nachvollziehbar sind und gemeinsam festgelegt werden, geben Halt und Orientierung.

Rituale
Ähnlich verhält es sich mit Ritualen. Familienrituale sind „kleine, feierliche Fixpunkte der Geborgenheit und heilsamer Sicherheit: Rituale geben Struktur, die vor allem (aber nicht nur) bei unseren ganz Kleinen, für die jeder Tag neu und unvorhersehbar ist, entspannend wirkt.“

„Erziehung: Wie Rituale Kinder stärken“: https://www.baby-und-familie.de/Erziehung/Erziehung-Wie-Rituale-Kinder-staerken-219817.html
„7 Rituale für ein entspanntes Familienleben mit Ihrem Kind“: https://www.elternwissen.com/erziehung-entwicklung/erziehung-tipps/art/tipp/7-rituale-fuer-ein-entspanntes-familienleben-mit-ihrem-kind.html

Zu der Frage, was den Familienalltag in der aktuellen Zeit entlasten kann, finden Sieim Anhang auch den Text “Familien haben eine eigene Kraft – Was Kindern und Eltern in Zeiten des Corona-Virus hilft” des Kinderschutz-Zentrums des Kinderschutzbundes Ulm/Neu-Ulm.

Entspannungstechniken (gemeinsam) lernen
Warum nicht in der gemeinsamen Zeit zu Hause gemeinsam entspannen lernen? Hier finden Sie ein paar Links zu wissenschaftlich fundierten Entspannungstechniken – die Sie gemeinsam mit ihren Kindern ausprobieren können:

Geführte Meditation
für Kinder: https://www.youtube.com/watch?v=75Sb3UxFnVo
für Kinder: https://www.youtube.com/watch?v=V7hEDkJaGX4
für Jugendliche: https://www.youtube.com/watch?v=mn-KTgQnYg0
für Jugendliche: https://www.youtube.com/watch?v=ockCQMt9kM0

Autogenes Training
für Kinder: https://www.youtube.com/watch?v=Pfn_M9nYWhg
für Kinder: https://www.youtube.com/watch?v=qY0G0krqba4
für Jugendliche: https://www.youtube.com/watch?v=ZcOTAIX8FwQ
für Jugendliche: https://www.youtube.com/watch?v=DEf5Ng7BdIY

Progressive Muskelentspannung (PMR)
für Kinder: https://www.youtube.com/watch?v=_10kyAWEWf8
für Kinder: https://www.youtube.com/watch?v=phbklbqG1JI
für Jugendliche: https://www.youtube.com/watch?v=1EWMEPg8ZQk
für Jugendliche: https://www.youtube.com/watch?v=JlbQUjJzO6o

Für viele Kinder kann es auch eine sehr schöne Erfahrung sein, dass ihre Eltern nun zuhause sind und vielleicht ein bisschen mehr Zeit haben.

Und wenn Sie merken, dass die Konflikte Sie oder die Kinder zunehmend belasten, suchen Sie sich telefonische Hilfe. Dabei ist es gut nicht zu warten, bis die Situationen eskalieren, sondern sich schon vorher mit einer*m Berater*in auszutauschen.


Familen in Bayreuth QR-Code

Der KrisenKompass ist eine App, die dank ihrer Funktionsweise eine Art Notfallkoffer für Krisensituationen ist. (Vor allem) jüngere Menschen können sich damit auch ein ganz persönliches Rüstzeug für schlechte Momente zusammenstellen. Es gibt Material für Krisensituationen, besonders auch Suizidalität und direkte Kontaktmöglichkeiten.

https://krisen-kompass.app/

Erklärvideos zu dieser App sind unter Youtube zu finden:

https://www.youtube.com/channel/UCmIQp2LO0-_kaESXR_3JOpg


WICHTIGE TELEFONNUMMERN für Erwachsene und Kinder

  • Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche
    Tel.: 116 111
  • Nummer gegen Kummer für Eltern
    Tel.: 0800 – 111 0 550
  • Pflegetelefon
    Tel.: 030 – 2017 9131
  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“
    Tel.: 0800 – 011 6016
  • Hilfetelefon „Schwangere in Not“
    Tel.: 0800 – 404 0020

Auch wenn unser Büro momentan geschlossen ist, sind wir telefonisch auch weiterhin für Sie da:
09:00 – 11:00 Uhr | Dienstag, Mittwoch und Donnerstag

Diana Bayreuther: 01515 6537544

Judith Dostal: 0160 96752356

Ulrike Thoma-Korn: 0160 95737491

Viele Grüße und bleiben Sie gesund!

Ihr Kinderschutzbund Kreisverband Bayreuth e.V.

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